Unrechtsstaat USA

Sanford, Florida. Am 26. Februar 2012 erschießt der 28jährige George Zimmerman den unbewaffneten, 17jährige Schwarzen Trayvon Martin mit einer Pistole vom Typ Kel Tec PF9. Vor der Tötung hatte Zimmerman, ein freiwilliger Nachbarschaftswächter, die Polizei per Telefon aus seinem Auto davon informiert, dass er einen „verdächtigen Typen“ gesehen habe. Zimmerman vermutet, dass dieser etwas mit einer Reihe von Einbrüchen zu tun hat, die in der Nachbarschaft begangen wurden. Er flucht, dass „diese Arschlöcher immer davon kommen“. Obwohl der Polizist am anderen Ende der Leitung ihm sagt, dass er er Trayvon nicht folgen soll, verlässt Zimmerman das Auto und beendet dann das Gespräch. Drei Minuten später ist Trayvon Martin tot, mit einer einzelnen Kugel im Herz. George Zimmerman erklärt der eintreffenden Polizei, dass Tayvon Martin ihn angegriffen hat und er ihn in Selbstverteidigung erschossen hat. Die Polizei lässt verlauten, sie habe keinen Grund an Zimmermans Version zu zweifeln und entlässt ihn noch in der selben Nacht aus der Haft.

Erst nach massivem, öffentlichen Druck kommt überhaupt eine Anklage zustande. Der Prozess beginnt im Juni 2013, Zimmerman bleibt vor und während des Prozesses auf Kaution frei. Am 13.Juli 2013 erklärt die Jury George Zimmerman nach einer Beratung von 16 Stunden für unschuldig. In der Jury sitzt kein Schwarzer, fünf Weiße und eine Lateinamerikanerin. George Zimmermans Mutter ist lateinamerikanisch, sein Vater ist weiß.

Ein anderer Fall, im gleichen Bundesstaat, 1. August 2010. Die 31jährige Marissa Alexander feuert einen einzelnen Warnschuss, als sie versucht ihrem gewalttätigen Ehemann zu entkommen, nachdem dieser die Kurznachrichten gelesen hat, die sie ihrem Ex-Mann geschickt hatte. Am 12. Mai 2012 wird Marissa Alexander zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Die Jury lässt sich für ihre Beratungen ganze 12 Minuten Zeit. Marissa Alexander ist schwarz.

Nur zwei einzelne Fälle, zwei winzige Facetten des amerikanischen Justizsystems. Aber diese beiden Fälle reichen aus, um dessen wahre Gestalt zu erkennen. Selbst, wenn man nichts von Stand-Your-GroundThree-Strikes und Mindeststrafenregelung wüsste, selbst wenn einem die unzumutbaren Zuständen in amerikanischen Gefängnissen unbekannt wären, selbst wenn man man keine Ahnung von dem rassistischen War on Drugs hätte, dann würden diese beiden Fälle ausreichen, um zu sagen:

Dies ist Unrecht.

Dies ist ein Unrechtssystem.

Dies ist ein Unrechtsstaat.

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